Bastian sagt:
Wer viele wissenschaftliche Veröffentlichungen liest und das auch noch aus verschiedensten Quellen bekommt irgendwann ein Problem: Wie behalte ich bei der Menge noch die Übersicht wo ich über was gelesen habe? Selbst bei dem altmodischen Ansatz jedes in gedruckter Form bereitzuhalten (Kostet nicht nur unnötig Geld, sondern: Save The Trees!) stellt sich die Frage: Sortiere ich nach Erstautor, Themengebiet, Erscheinungsdatum oder noch ganz anders?
Glücklicherweise gibt es nun ja jede Veröffentlichung als PDF, ein Format das ich früher wie die Pest gehasst habe, mit dem ich mich mittlerweile aber anfreunden konnte, zumindest für sowas. Handbücher will ich immer noch gedruckt haben, verdammt! PDFs machen das sortieren immerhin etwas einfacher, können sie bequem in Unterordnern etc. abgelegt werden. Doch die Frage der Sortierung bleibt. Ordne ich chronologisch muss ich immer im Kopf behalten wann das Paper erschienen ist, sortiere ich nach Erstautor muss ich wissen wer zu dem Thema geschrieben hat. Und nach Themen zu sortieren ist sehr unscharf. Alles nicht so das ideale Prinzip.
Zum Glück gibt es mittlerweile gibt es auch einige Programme die einem die Arbeit erleichtern sollen. Ich selbst probiere, seitdem Philipp es mir gestern gezeigt hat, Mendeley, was zur Zeit in der Betaversion 0.5 für Mac, Windows und Linux zu haben ist. Unter Linux läuft es bei mir (Ubuntu 8.04) noch etwas instabil von Zeit zu Zeit, aber ich denke für eine Betaversion ist das schon okay. Die Windowsversion habe ich noch nicht getestet.
Aber erstmal ein wenig zur Funktion: Paper im PDF-Format lassen sich ganz einfach in die Datenbank von Mendeley importieren. Im Idealfall kann das Programm aus den Metadaten sofort den Titel, die Autoren, sowie das Journal und die zitierten Publikationen extrahieren und bereitstellen. Dazu kann ich jedem Paper selbst noch Tags vergeben so wie mir Notizen abspeichern. Dieser Basisumfang der Software erleichtert das Suchen von größeren Datensätzen doch schon sehr, lässt sich doch bequem nach (allen) Autoren, Journal und vor allem Tags und die ganzen Paper im Volltext durchsuchen.
Doch Mendeley kann noch etwas mehr, was es für mich sehr interessant macht: Es soll so etwas wie das last.fm für wissenschaftliche Publikationen werden. So kann man seine Paper nicht nur lokal speichern, sondern auch eine Online-Bibliothek anlegen wo die Paper hinterlegt werden und mit der lokalen Bibliothek synchronisiert werden, so hat man von überall Zugriff darauf.
Gleichzeitig gibt es bereits rudimentäre Communityfeatures, so gibt es „Andere Biologen (oder welche Fachrichtung ihr auch immer angebt) lesen folgende Paper“, die allgemein meistgelesenen Paper und natürlich auch die obligatorische Freunde-Funktion. Zusammen mit der angebotenen Group-Funktion ist das sehr praktisch.
Man kann mit seinen Freunden eine Gruppe eröffnen in der man gezielt Paper für diese bereitstellen kann. Ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Auch für Multi-Autoren-Blogs ist das eine super Sache, bequemer als alle Paper immer per Mail rumzusenden.
Allerdings habe ich auch noch ein paar Punkte die man sicherlich verbessern könnte, abgesehen von der Stabilität, vor allem an der Import-Funktion hapert es meiner Ansicht nach noch etwas.
Als erstes finde ich es schade, dass man die Paper nicht auch einfach per DOI (Digital Object Identifier) importieren kann. Ich bin mir nicht sicher ob dies technisch überhaupt machbar ist, aber falls das geht wäre das ein absolutes Killer-Feature, denn zumindest ich habe nicht alle Paper die ich gelesen habe noch irgendwo als PDF rumfliegen, per DOI wäre das sehr bequem diese zu importieren.
Und zum zweiten werden die PDFs beim importieren nur verlinkt und nicht zentral irgendwo gespeichert, was auch nervig sein kann. Hat man das Paper etwa nach dem Download auf dem Desktop liegen und importiert es, dann verlinkt Mendeley nur auf den Desktop. Lösche ich es danach, oder verschiebe es auch nur, findet Mendeley es nicht mehr. Das hat einerseits den Vorteil, dass ich die vollkommen freie Auswahl darüber habe wo meine Daten gespeichert werden, bringt allerdings auch den Nachteil mit sich, dass ich die Paper per Hand in die Ordner verschieben muss die ich will.
Eine Import-Funktion ähnlich von Adobe Lightroom fände ich hier super. Man wählt aus wohin die Paper verschoben oder kopiert werden sollen (je nach Geschmack) und dann erledigt das Programm den Rest für einen. Man hat den Vorteil genauso frei entscheiden zu können – wenn man das denn will – und brauch trotzdem nicht per Hand sortieren.
Trotz dieser Kinderkrankheiten und Verbesserungsvorschläge bin ich bislang ganz zufrieden damit, wer noch nichts in der Art sucht aber neugierig geworden ist sollte es ruhig mal ausprobieren, denn gerade die Communityfeatures werden erst ab einer kritischen Masse richtig sinnvoll werden.
Aber zurück zur Ausgangsfrage aus der Überschrift: Wie verwaltet ihr eure Paper, per Hand oder per Software? Als PDF oder noch gedruckt?
Ich habe meine handvoll paper bisher immer als pdfs per hand auf dem desktop und in einem ordner verwaltet… aber jetzt werde ich mal dieses Mendeley ausprobieren…
… was ich dann aber doch sehr nervig finde, dass beim versuchten Anmelden immer wieder diese Nachricht kommt: „Your name must be longer than 1 character. Please contact us if you are legally registered with the name you entered.“
Seit wann hat ‘Linus’ nur einen Buchstaben?!?
Wer einen Mac hat sollte sich unbedingt Papers ansehen:
http://mekentosj.com/papers/
Das ist meiner Meinung nach das ideale Programm um die Flut an wissenschaftlichen Papern auf dem Rechner zu verwalten. Quasi das iTunes für Paper.
Die Verwaltung auf der Festplatte übernimmt komplett das Programm. Man muss sich darum also keine Sorgen mehr machen. Im Programm selbst kann man die Paper dann bequem in verschiedenen Ordnern und Listen sortieren.
Man kann in Papers, dank eingebautem Browser, direkt Seiten wie PubMed, Web of Science usw. durchsuchen und direkt von den Seiten der Journals Paper runterladen, wobei das Programm automatisch alle Metadaten mitrunterläd und es in den entsprechenden Ordner auf der Platte klatscht usw usw.
Würde den Rahmen hier sprengen um alles zu besprechen. Hier gibt es ein paar Videos, welche die Funktionen gut zeigen:
http://mekentosj.com/papers/help15/pgs/gettingstarted.html
Ich bin wirklich begeistert von dem Teil!
Ist es nicht viel einfacher, zu jedem Paper ne kleine Karteikarte anzufertigen und auf der dann in Stichworten zu vermerken, was es mit dem Paper auf sich hat?
Das wesentliche Problem all dieser Software-Lösungen ist ja, dass sie keine Antwort auf die Frage liefern, was man eigentlich ursprünglich mit einem bestimmten Paper anstellen wollte. Und das ist einfach die zentrale Funktion bei der Paper-Verwaltung.
@Ralph: Aber das ist keine Freeware, seh ich das richtig?
@Fischer: Schlägst du etwa eine Kartei mit ausgedruckten Papern vor? Erscheint mir irgendwie unpraktisch… oder hab ich dich falsch verstanden?
Außerdem lösen die Karteikarten ja auch nicht das Problem der Ordnung, i.e. ob nach Name, Jahr oder Thema.
@Linus
Nein, das ist keine Freeware. Ich persönlich habe aber gerne den Preis dafür gezahlt (verwende es aber auch schon seit der ersten öffentlichen Beta-Version). Man kann es aber glaube ich kostenlos testen.
@Fischer
Mendeley habe ich noch nicht ausprobiert (bin erst durch diesen Beitrag darauf aufmerksam geworden), aber zumindest in Papers kann man die einzelnen Paper in verschiedenste Listen einsortieren. Ich hab für jedes Projekt/Experiment eine extra Liste, jeweils eine Liste für verschiedenen Themen/Fragestellungen und jeweils eine für meine eigenen Publikationen, in die dann die darin zitierten Paper kommen.
Zusätzlich kann man in dem Programm auch noch zu jedem Paper Notizen anlegen, so dass man immer weiß was man mit dem Paper vorhatte, was einem beim Lesen aufgefallen ist usw.
Da ich oft zwischen London und Deutschland pendle und auch sonst oft für Freilandexperimente unterwegs bin, versuche ich, so gut es geht, auf Papier zu verzichten.
@Fischer: Wie Ralph schon sagte kann man sich ja innerhalb der Software nicht nur so viele Unterordner erstellen und benennen wie man will (Ähnlich wie bei fast allen Feedreadern) sondern man kann eben noch ganz praktisch Notizen dazu schreiben. Und bei Mendeley sogar noch mit anderen teilen.
@Ralph: Mac-Only find ich schonmal schlecht, zumindest hab ich nur Linux + Windows in Benutzung
Aber wie sieht es denn bei Papers mit Social-Networking aus? Aber das Feature zum runterladen sieht super aus, das vermisse ich bei Mendeley etwas. Aber wer weiss was die Programmierer noch vorhaben
Social-Networking gibt es bei Papers (derzeit) nicht. Jedenfalls ist mir nichts bekannt.
man kann den devs von papers aber immer vorschläge schicken, die haben mir bis dato immer sehr schnell und nett geantwortet
die nächste große version (2.0) soll wohl viele sehr coole features beinhalten, wobei die devs da noch sehr auf top secret schalten
Okay, das hilft aber allen non-Mac-Usern leider nicht. Ein bisschen OT fallen mir dazu noch die neuen Microsoft-Spots ein, die ich echt gelungen finde als Konter auf die Apple-Werbung.
Ja, der Support der Papers-Developer ist wirklich sehr gut und schnell. Vielleicht basteln sie ja doch noch was zum Thema Social-Networking ein. Einer von ihnen ist zumindest auch bei Mendeley registriert, hab ich gesehen
Wo wir gerade beim Thema Social-Networking sind, ich bin neulich noch über diese beiden Seiten gestolpert:
http://www.labmeeting.com
http://www.academia.edu/
Letztere läd hier aber immer sehr lange und ist mir zu unübersichtlich.
Ich hab bis jetzt noch kein eigenes Paper und somit kann ich auch nichts hochladen. Ich hab mir http://www.academia.edu mal angesehen war aber nicht so überzeugt.
Vor ein paar Wochen habe ich von
http://www.researchgate.net
auf einer Konferenz gehört. Kennt ihr das?
Also davon hatte ich schonmal gehört, scheint ja so eine Art XING für Wissenschaftler zu sein. Ich muss sagen davon bin ich nicht so ein großer Fan (von beidem nicht). Seh da bislang auch wenig Sinn drin.
Hab mir jetzt mal researchgate angeschaut und mich dort auch registriert.
Finde solche Seiten an sich ganz nützlich, vor allem um neue Kontakte zu knüpfen, oder sich mit anderen Wissenschaftlern in den Boards auszutauschen. Bleibt nur die Frage, welche Seite am Ende das Rennen macht.
Generell könnte ein solches Verzeichnis einem eine Menge Zeit sparen, z.B. wenn man die aktuellen Kontaktdaten von Leuten sucht.
Oft muss man sich ja per Google einen Wolf suchen, wenn man mal einen Autor eines etwas ältern Papers anschreiben will. Die eMail-Adresse auf dem Paper ist meistens veraltet (wenn sie überhaupt draufsteht, bei mehreren Autoren), das Institut stimmt meistens auch nicht mehr, und es ist wirklich erstaunlich, wie schlecht sich manche Unis präsentieren, wenn es um das Personalverzeichnis geht bzw. viele Arbeitsgruppen haben noch gar keine eigene Homepage, was das Suchen nach Mitgliedern oft sehr schwer macht.
Da machen es einem solche XING-Verschnitte schon einfacher (wenn die Profile auf dem aktuellen Stand gehalten werden).
[...] mit dem sich “menschlicher” gestalten lassen – wie z.B. Mendeley, über dass Basti hier ja schon geschrieben hatte. Zusätzlich werden noch weitere Systeme vorgestellt, wie CiteULike.org, das man am ehesten mit [...]
Hallo – ich hab mich auch mal in letzter Zeit mit Onlinesoftwares zur besseren Organisation meiner ganzen Daten für meine Mag beschäftigt: bin dabei auf scholarz.net (http://scholarz.net/) gestoßen. Ist eine Kombination von Evernote, Mendeley und Researchgate in einem Programm! Find ich praktisch, weil ich mich nicht bei hunderten von verschiedenen Anbietern anmelden muss, sondern alles kompakt hab. Files hochladen ist dort ebenfalls kein Problem – und ich kann zu allem meine eigenen Notizen anfügen! Sehr hilfreich finde ich die Literaturorganisation – so kann ich zu allen bereits gelesenen Büchern Notizen machen, Zitate schreiben, usw… Und was wir ebenfalls gemacht haben: eine Gruppe für alle Mag-Prüflinge gegründet und dort Exzerpte und Literatur hochgeladen und sich über die Prüfung ausgetauscht.
[...] habe ich hier ja schön öfter mal wohlwollend erwählt weil ich die Idee des last.fm für Wissenschaftler super finde. Denn allgemein denke ich [...]