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ResearchbloggingBastian sagt:
Ein immer wieder gern vorgebrachtes Argument gegen die Evolution ist altruistisches Verhalten was nach Ansicht der Kritiker ja nicht evolvieren kann – Und das doch nur die Religionen uns zu solchem erziehen können. Stimmt natürlich nicht, hält die Leute aber auch nicht davon ab das weiterhin zu behaupten.

Doch ab welchem Alter zeigt der Mensch altruistisches Verhalten? Das haben Ernst Fehr und seine Kollegen mit einem recht einfachen, aber deshalb nicht weniger gutem, Testaufbau überprüft, ihre Ergebnisse haben sie in der letzten Nature veröffentlicht.

Sie haben Kinder im Alter von 3-8 Jahren spielerisch Geld, als Währung waren Süßigkeiten im Einsatz, zwischen sich und einem anderen Kind – was sie nur auf einem Foto zu Gesicht bekamen – verteilen lassen. Dabei gab es 3 Testansätze:

1. Prosocial Game: Die Kinder hatten die Wahl entweder sich selbst eine Süßigkeit zu geben und dem anderen Kind keine (1/0) oder jedem eine (1/1). Die Testperson hat also keinen Nachteil dadurch dem anderen etwas zu geben.
2. Envy Game: Entweder: Eine für mich und Zwei für dich (1/2). Oder für jeden Eine (1/1). Wieder ist es also möglich ohne persönlichen Nachteil den Netto-Gewinn für alle zu maximieren.
3. Sharing game: Hier heisst es: Entweder 2 für mich, nix für dich (2/0) oder Eins für jeden(1/1). Hier kann eine gleichmässige Verteilung also nur dadurch erreicht werden, dass man selbst etwas abgeben muss.

Zusätzlich zu diesen 3 Tests wurde auch noch getestet wie Kinder auf ihnen bekannte bzw. unbekannte Kinder reagieren und ob dies etwas an dem Verhalten ändert. Dazu wurden entweder Fotos von Kindern aus ihrem Kindergarten bzw. ihrer Schulklasse gezeigt (Ingroup) oder eben gänzlich unbekannte Kinder (Outgroup).

In der Klasse der 3-4 Jährigen zeigt sich hier noch ein ernüchterndes Bild: Sowohl im Prosocial Game als auch im Envy Game wo es keinen persönlichen Nachteil mit sich bringt dem anderen etwas zukommen zu lassen liegen beide Entscheidungen mit je etwa 50% genau bei dem Prozentsatz den man durch puren Zufallsentscheid bekommen würde. Mit anderen Worten: Es ist ihnen egal ob sie dem anderen etwas gutes tun können oder nicht. Anders sieht es edoch im Sharing Game aus, hier liegt der Wert für „Teilen“ unter 10%.

Bei den 5-6 Jährigen ändert sich dieses Bild jedoch auch nicht maßgeblich. Sowohl bei Variante 1 als auch bei Variante 2 liegen die Entscheidungswerte wieder recht nah um die 50%, nur im Sharing Game steigen die Werte auf um die 20% an.

Dies ändert sich jedoch drastisch in der Altersklasse der 7-8 Jährigen: Bei Variante 1 & 2 wählen hier ca. 80% der Kinder (1/1), entscheiden sich also gezielt für eine Gleichverteilung der Süßigkeiten. Interessant zu sehen, dass sie jedoch dem anderen Kind in Variante 2 nicht „mehr gönnen“ wollen.
Auch die Variante Teilen nimmt weiter zu, ca. 40% der Entscheidungen fallen hier auf (1/1).

Viel spannender als diese allgemeinen Aussagen finde ich allerdings die Ergebnisse die man erhält wenn man sich die Untersets ansieht, wie beispielsweise Einzelkinder, jüngstes Kind der Familie oder den Unterschied zwischen Jungen/Mädchen.

So ist es um 28% wahrscheinlicher, dass ein Einzelkind beim Sharing Game sich für das Teilen entscheidet als ein Kind mit Geschwistern, während das jüngste Kind mit Geschwistern um 17% weniger bereit waren zu teilen. Und da sag nochmal einer es wäre von Vorteil Geschwister zu haben…*

* Disclaimer: Der Autor ist Einzelkind

Ernst Fehr, Helen Bernhard, Bettina Rockenbach (2008). Egalitarianism in young children Nature, 454 (7208), 1079-1083 DOI: 10.1038/nature07155

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