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Posts Tagged ‘researchblogging’

ResearchbloggingBastian sagt:

Wir hatten ja schon einmal über sexuelle Belästigungsfälle im Tierreich berichet. Doch Philipp ist vor kurzem über einen noch bizarreren Fall gestolpert.

Und zwar über einen Schäferhund der einen 11-jährigen Jungen vergewaltigt haben soll. Der Junge kam ins Krankenhaus mit Verletzungen des Afters woraufhin die Ärzte direkt die Polizei informierten und auch freundlicherweise sofort 2 Verwandte des Jungen verdächtigten.

Der Junge gab jedoch eine andere Geschichte zu Protokoll: Er hätte im Garten seiner Eltern mit Hunden gespielt, sei dabei gestürzt wobei seine Hose gerissen wäre und darauf hin hätte sich der Schäferhund auf ihn gestürzt.

Im Krankenhaus wurden dann Spermaproben sichergestellt und ein Veterinär entnahm dem beschuldigten Schäferhund eine Vergleichsprobe. Diese Proben wurden dann mikroskopisch untersucht wobei diese vom äußeren Erscheinungsbild sehr ähnlich wirkten. Um mehr Gewissheit zu kriegen wurden DNA-Stücke per PCR amplifiziert und durch Elektrophorese aufgetrennt, die Ergebnisse sieht man in diesem Bild:

Elektrophoresische Auftrennung der PCR-Produkte

Elektrophoresische Auftrennung der PCR-Produkte

In Reihe 1 & 6 liefen die Größenmarker. In Reihe 2 menschliche DNA eines Mannes, in Reihe 3 menschliche DNA einer Frau und in Reihe 4 die DNA-Probe des Hundes. Reihe 5 ist die Spermaprobe die im Krankenhaus entnommen wurde.

Und hier brauch man schon gar nicht weiter auf die biologischen Hintergründe eingehen (was wurde amplifiziert, etc.) denn schon durch den optischen Vergleich sieht man es: Die Probe stammt von dem Hund und hat wenig gemein mit den Banden die von menschlicher DNA produziert werden.

Übrigens hat der Junge seine Version der Geschehnisse ein paar Wochen später bei einem Psychologen geändert: Er habe den Hund so lange mit der Hand stimuliert bis dieser ihn penetrierte…

P. Wiegand, V. Schmidt, M. Kleiber (1999). German shepherd dog is suspected of sexually abusing a child International Journal of Legal Medicine, 112 (5), 324-325 DOI: 10.1007/s004140050260

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ResearchbloggingBastian sagt:
Heut morgen bin ich dank Researchblogging über einen Eintrag bei Cognitive Daily gestolpert. In der dort vorgestellten Studie beschäftigte sich ein Team um Christopher Barlett mit der Frage ob die Menge des in Videospielen gezeigten Bluts die Aggressionen der Spieler beeinflussen.

Schon seit Jahren, und bevorzugt nach den Taten jugendlicher Amokläufer, wird darüber gestritten ob Videospiele gewalttätig machen und ob man dieses Teufelszeug nicht verbieten sollte. Als semi-aktiver Gelegenheitsspieler interessiert mich diese Frage natürlich auch, vor allem die unsinnigen Verbotsdebatten die immer wieder durch pseudowissenschaftliche Erkenntnisse angeheizt werden.
Und leider sieht es hier nicht anders aus, aber kommen wir erstmal zum Versuchsaufbau:

Zuerst wurde das Aggressionslevel und der Erregungszustand der Versuchspersonen gemessen, ersteres durch Fragebögen, zweiteres durch Messung des Pulses. Danach durften die Versuchspersonen das Playstation-Spiel Mortal Combat: Deadly Alliance spielen. Danach wurden sie erneut, wie vor dem Spielen, getestet. Der vermeintliche Clou dabei: Zufällig wurde bestimmt ob die Versuchskaninchen entweder gar kein Blut, wenig Blut, eine mittlere Einstellung oder viel Blut zu sehen bekamen während des Spiels.

Die Hypothesen der Forscher:
1. Während des Spielens steigt die Feinseligkeit der Versuchspersonen an
2. Je Blutiger das Spiel eingestellt, desto mehr steigt die Feindseligkeit
3. Je Blutiger desto öfter setzen die Spieler die Waffe des Charakters ein (Zur Auswahl hat jeder Spieler 3 Kampfstile, 2 waffenlose + 1 bewaffneten)

Kommen wir zu den Ergebnissen:

Aufgetragen sind die Aggressionslevel vor/nach dem Spielen und eingeteilt nach Blutmenge.
Tatsächlich stieg die Feindseligkeit zwischen vorher/nachher an, auch steigt der Zuwachs der Aggressivität mit der Blutmenge. Auch wie oft die Waffen des Charakters eingesetzt werden steigt mit der Menge des dargestellten Bluts an (ohne Grafik).

Aber was sagen diese Ergebnisse nun wirklich aus? Ich habe da ein paar Kritikpunkte an dem Studienaufbau:

1. Größe der Stichprobe und Art der Testpersonen: Getestet wurden nur 74 Personen, übrigens alles Spieler die im Mittel gut 17 Stunden pro Woche spielen. Man sieht es auch an den Grafiken, die Anfangswerte schwanken zwischen den 4 Gruppen recht stark, bei einer ausreichend großen Stichprobe dürfte sich dies angleichen. Und wie aussagekräftig es ist nur Heavy User zu testen mag ich auch anzweifeln, hört man aus anderen Studien, dass gerade diese doch gegenüber der Darstellung von Gewalt abstumpfen sollen. Was denn nun?

2. Die Waffen als ein Maß für Aggression:: Allen Teilnehmern wurde gesagt, dass der Einsatz von Waffen mehr Schaden verursacht als der waffenlose Kampf. Daher schliessen die Forscher daraus, dass der Einsatz dieser ein Indikator für die Aggression des Spielers ist. Ich halte das für einen Trugschluss, in einem Spiel dessen einziges Ziel es ist den Gegner im Kampf zu besiegen erscheint es eine logische und vernünftige Entscheidung möglichst viel Schaden zufügen zu wollen…

3. Was sagt das überhaupt aus?: Gut, direkt nach dem Spiel wurden die Teilnehmer getestet, der Puls war beschleunigt und auch aus den Fragebögen lesen die Forscher ein erhöhtes Aggressionslevel. Doch wie sieht es mit den viel interessanteren Langzeitwirkungen aus? Bleiben die Spieler auf dem erhöhten Aggressionslevel auch längere Zeit nach dem Spiel? Wie sieht der Vergleich von basalem Aggressionslevel von Spieler vs. Nicht-Spieler aus?
Ich denke die Ergebnisse kann man besser Vergleichen mit einer Pulsmessung vor und nach dem 100-Meter-Sprint. Nur das die Forscher hier so tun als würde sich der Puls nach dem 100-Meter-Sprint nicht mehr normalisieren…

Für mich sind die „Ergebnisse“ dieser Studie doch sehr fragwürdig. Wie seht ihr das? Achja, das Paper gibt es auch im Volltext in der Mendeleygruppe…

Linus meint: Wobei man den Wissenschaftlern am Werk zu gute halten muss, dass sie in ihrer Diskussion der Ergebnisse doch recht streng wissenschaftlich bleiben. Soll heissen, sie sprechen nur davon, dass die Aggression nach dem „General Aggression Model“ (GAM) unmittelbar nach den Versuchen gestiegen ist, und zwar um so mehr, je mehr Blut eingestellt war. Über ein etwaiges Anhalten der gestiegenen Aggression sagen sie nichts. Man könnte nun anmerken, dass die Autoren die Aussagekraft der Studie diesbezüglich hätten ausschließen sollen, aber das wäre immerhin ein weniger starker Kritikpunkt als hätten sie ohne weiteres auf eine anhaltende erhöhte Aggression geschlossen.

C BARLETT, R HARRIS, C BRUEY (2008). The effect of the amount of blood in a violent video game on aggression, hostility, and arousal Journal of Experimental Social Psychology, 44 (3), 539-546 DOI: 10.1016/j.jesp.2007.10.003

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ResearchbloggingBastian sagt:
Nachdem alle Welt ja heute schon über den LHC berichtet möchte ich mich mal einem ganz anderem Thema widmen, und zwar der sexuellen Belästigung im Tierreich (Menschen diesmal ausgeschlossen).

So haben Verhaltensbiologen auf Marion Island beobachten können wie ein Antarktischer Seebär (Arctocephalus gazella, wenn man schon über solche Dinge forscht oder gar Paper veröffentlicht sollte man wenigstens mit den wissenschaftlichen Artnamen den Anschein von Seriösität wahren) der über eine 3/4 Stunde erfolglos versuchte mit einem Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) zu kopulieren.

Einen Erklärungsansatz für dieses Verhalten sehen die Forscher dabei in dem Revierverhalten der Seebären, bereits mit 3-4 Jahren werden die Tiere geschlechtsreif, schaffen es jedoch meist nicht vor dem 8. Lebensjahr ein eigenes Revier zu verteidigen. Und gerade diese Jungtiere zeigten solch ein Verhalten, wohl aus einer Mischung aus unausgelasteten Trieben & Unerfahrenheit.

Tja, wieder was gelernt, und für Freunde der artübergreifenden Erotik haben die Forscher im Paper sogar Fotos… Bitte Philipp, du darfst nun mit homosexuellen, nekrophilen Enten fortfahren.

Philipp sagt:

Auja. Nekrophilie wurde schon oft im Tierreich beobachtet, Homosexualität sowieso. Beides zusammen bis dato nur einmal, nämlich 1995 am Natuurmuseum (das heißt so!) Rotterdam.

Beschrieben in diesem Paper, sogar grandios mit Beweisfotos. Für solch meisterliche Wissenschaftlichkeit gabs sogar den Ig-Nobelpreis!
Kurz zusammengefasst: Autor sitzt in seinem Büro mit schöner Glasfassade, Ente knallt ein Stockwerk tiefer gegen die Scheibe, Autor geht runter um zu gucken ob das Stockwerk noch steht, sieht tote Ente sowie zweite, noch lebende Ente welche sich sogleich an der ersten vergeht.

Der Autor meinte das Paper offensichtlich nicht ernst und beschreibt in schön trockenem Humor die ganze Sache (Beweiszitat: „An unusual loud bang, one floor below my office, indicated yet another collision and an addition to the bird collection.“). Tolle Details: Um Fotos zu machen verscheuchte der Autor C.W. Moeliker den „Täter“ vom „Opfer“ nach geschlagenen 75 Minuten!
Und auch dann ließ sich die Ente nur widerwillig vertreiben.
Er mutmaßt, dass die Enten sich vor der Kollision auf einem „rape flight“ befanden, dass also die getötete Ente (moment, das heißt ja Erpel) auf der Flucht vorm anderen Erpel nur versehentlich gegen die Scheibe geknallt ist. Der Attackierer war dann wohl zu hartnäckig, um sich um seine Belohnung bringen zu lassen.

P. J. Nico Bruyn, Cheryl A. Tosh, Marthán N. Bester (2008). Sexual harassment of a king penguin by an Antarctic fur seal Journal of Ethology, 26 (2), 295-297 DOI: 10.1007/s10164-007-0073-9

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ResearchbloggingPhilipp sagt:
Einen solchen Mechanismus schlägt diese Veröffentlichung vor, übrigens aus der schönen Weltmetropole Münster, Heimat solch unglaublicher Sensationen wie z.B. einem verwirrten schwarzen Schwan.
In der Veröffentlichung gehts um einen Kopierschutz für gentechnisch veränderte Mechanismen, zwar etwas was man (hoffentlich) noch nicht in nächster Zeit brauchen wird, aber gut das schonmal dafür gesorgt wurde.
Das von den Autoren erstellte Programm heißt DNA-Crypt und funktioniert grob gesehen so:
Man nehme etwas, was man im Genom verstecken möchte (Und wieder ’ne Chance für ein Popkulturzitat: Wie wärs mit „The cake is a lie“?), also ein Wort oder aber auch ein Bild, Hauptsache Information.
Dies übergibt man dann DNA-Crypt zusammen mit der Genomsequenz, das Programm wandelt die Information in DNA um (2 Bits werden zu einer Base) und verteilt diese in der Sequenz. Ein möglicher „Raubkopierer“ kann diese versteckte Information nicht herausfiltern – er weiß nicht, welche Base zur Sequenz gehört und welche zum Wasserzeichen.
Eine Übersicht des Ablaufs bietet nochmal folgende Graphik*:

Damit man die Information nach einer Mutation nicht gleich verliert, verfügt das Programm auch über 2 Mutationskorrekturmechanismen, einerseits den WDH-Code, der die verschlüsselte DNA-Sequenz n-mal in der DNA wiederholt, andererseits den Hamming-Code, welcher 4 bits an Information auf 8 bits verteilt und dann nach der Mutation/der Übertragung vier verschiedene Summen der Bits erstellt, anhand derer überprüft wird ob und wie viele Fehler im Byte vorhanden sind.
(Da fällt mir n schlechter Witz aus meiner Oberstufenzeit von meinem ehemaligen Informatiklehrer ein:
„8 Bit sind ein Byte, also bin ich nach 2 Byte besoffen.“ – Jaja, so war das damals.)
Genaueres zur Mutationskorrektur gibts im Paper zu lesen, so spannend is das ja nun auch nich – spannend wirds erst jetzt!
Wichtig ist ja zu beweisen ob die ganze Sache auch funktioniert, was die Autoren ein paar Monate später nachgewiesen haben – nachzulesen hier.
Im zweiten Paper wird bewiesen, das die versteckte Information das herzustellende Protein nicht beeinflusst, in diesem Falle geht es um ein Protein der Backhefe (Saccharomyces cerevisiae für die „Coolen“ hier) – es konnte keinerlei Unterschied zur Hefe ohne Wasserzeichen festgestellt werden.
Wasserzeicheninsertion wurde erfolgreich schon vorher an Prokaryoten getestet, hier hat es zum ersten Mal bei Eukaryoten funktioniert, allerdings auch nur mit den Buchstaben „TB“ (benannt nach dem Institut der Autoren, dem Department of Experimental Tumorbiology an der Uni Münster) aus Gründen des Platzes im vergleichsweise „kleinen“ Genom der Hefe.
Desweiteren reproduziert Hefe sich asexuell, was höhere Organismen bekanntlich ja nicht tun – sonst bräuchten wir ja auch keine Frauen. (Oder Männer, oder Geschlechter generell.)
In der aktuellen Bioinformatics haben die Autoren ein weiteres Paper zum Thema veröffentlicht: Hier zu lesen, wenn man denn auch Zugriff auf die Zeitung hat, leider gibt es den Artikel (noch) nicht kostenlos.
Hier stellen die Damen und Herren einen Weg vor, wie Wasserzeichen bei sich sexuell reproduzierenden Organismen vererbt werden könnten; da es bei Sex zur Rekombination kommt könnte ja schließlich das Wasserzeichen zerstört werden.
Zwei Wege schlagen die Autoren vor, prinzipiell indem das Wasserzeichen an das Y-Chromosom oder an die mitochondriale DNA gebunden wird. Für letzteres haben sie ein weiteres Programm namens Project Mito erstellt, welches komplementär zu DNA-Crypt läuft.
Das Ganze bietet interessante Anwendungsmöglichkeiten für Leute die gern Patente auf alles vergeben würden – in meiner idealen Welt bräuchte man sowas wie DNA-Crypt nicht.
Aber in meiner Idealwelt laufen auch Bierfässer mit Beinen aus Wodkaflaschen rum, während die Sonne dauerhaft scheint und Comus jeden Tag ein Livekonzert gibt: mit Kyuss als Vorband. Danach spielt Joint Venture. Und zwar hier in Münster!
Aber ich schweife ab.

*Die Grafik wurde von Dominik Heider und Angelika Barnekow erstellt und erschien zusammen mit ihrem Paper „DNA-based watermarks using the DNA-Crypt algorithm“ zum ersten Mal in BMC Bioinformatics vom 29. Mai 2007

Dominik Heider, Angelika Barnekow (2007). DNA-based watermarks using the DNA-Crypt algorithm BMC Bioinformatics, 8 (1) DOI: 10.1186/1471-2105-8-176

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ResearchbloggingBastian sagt:
Ein immer wieder gern vorgebrachtes Argument gegen die Evolution ist altruistisches Verhalten was nach Ansicht der Kritiker ja nicht evolvieren kann – Und das doch nur die Religionen uns zu solchem erziehen können. Stimmt natürlich nicht, hält die Leute aber auch nicht davon ab das weiterhin zu behaupten.

Doch ab welchem Alter zeigt der Mensch altruistisches Verhalten? Das haben Ernst Fehr und seine Kollegen mit einem recht einfachen, aber deshalb nicht weniger gutem, Testaufbau überprüft, ihre Ergebnisse haben sie in der letzten Nature veröffentlicht.

Sie haben Kinder im Alter von 3-8 Jahren spielerisch Geld, als Währung waren Süßigkeiten im Einsatz, zwischen sich und einem anderen Kind – was sie nur auf einem Foto zu Gesicht bekamen – verteilen lassen. Dabei gab es 3 Testansätze:

1. Prosocial Game: Die Kinder hatten die Wahl entweder sich selbst eine Süßigkeit zu geben und dem anderen Kind keine (1/0) oder jedem eine (1/1). Die Testperson hat also keinen Nachteil dadurch dem anderen etwas zu geben.
2. Envy Game: Entweder: Eine für mich und Zwei für dich (1/2). Oder für jeden Eine (1/1). Wieder ist es also möglich ohne persönlichen Nachteil den Netto-Gewinn für alle zu maximieren.
3. Sharing game: Hier heisst es: Entweder 2 für mich, nix für dich (2/0) oder Eins für jeden(1/1). Hier kann eine gleichmässige Verteilung also nur dadurch erreicht werden, dass man selbst etwas abgeben muss.

Zusätzlich zu diesen 3 Tests wurde auch noch getestet wie Kinder auf ihnen bekannte bzw. unbekannte Kinder reagieren und ob dies etwas an dem Verhalten ändert. Dazu wurden entweder Fotos von Kindern aus ihrem Kindergarten bzw. ihrer Schulklasse gezeigt (Ingroup) oder eben gänzlich unbekannte Kinder (Outgroup).

In der Klasse der 3-4 Jährigen zeigt sich hier noch ein ernüchterndes Bild: Sowohl im Prosocial Game als auch im Envy Game wo es keinen persönlichen Nachteil mit sich bringt dem anderen etwas zukommen zu lassen liegen beide Entscheidungen mit je etwa 50% genau bei dem Prozentsatz den man durch puren Zufallsentscheid bekommen würde. Mit anderen Worten: Es ist ihnen egal ob sie dem anderen etwas gutes tun können oder nicht. Anders sieht es edoch im Sharing Game aus, hier liegt der Wert für „Teilen“ unter 10%.

Bei den 5-6 Jährigen ändert sich dieses Bild jedoch auch nicht maßgeblich. Sowohl bei Variante 1 als auch bei Variante 2 liegen die Entscheidungswerte wieder recht nah um die 50%, nur im Sharing Game steigen die Werte auf um die 20% an.

Dies ändert sich jedoch drastisch in der Altersklasse der 7-8 Jährigen: Bei Variante 1 & 2 wählen hier ca. 80% der Kinder (1/1), entscheiden sich also gezielt für eine Gleichverteilung der Süßigkeiten. Interessant zu sehen, dass sie jedoch dem anderen Kind in Variante 2 nicht „mehr gönnen“ wollen.
Auch die Variante Teilen nimmt weiter zu, ca. 40% der Entscheidungen fallen hier auf (1/1).

Viel spannender als diese allgemeinen Aussagen finde ich allerdings die Ergebnisse die man erhält wenn man sich die Untersets ansieht, wie beispielsweise Einzelkinder, jüngstes Kind der Familie oder den Unterschied zwischen Jungen/Mädchen.

So ist es um 28% wahrscheinlicher, dass ein Einzelkind beim Sharing Game sich für das Teilen entscheidet als ein Kind mit Geschwistern, während das jüngste Kind mit Geschwistern um 17% weniger bereit waren zu teilen. Und da sag nochmal einer es wäre von Vorteil Geschwister zu haben…*

* Disclaimer: Der Autor ist Einzelkind

Ernst Fehr, Helen Bernhard, Bettina Rockenbach (2008). Egalitarianism in young children Nature, 454 (7208), 1079-1083 DOI: 10.1038/nature07155

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Mein Artikel über neuartige Sensortechniken war unser erster Beitrag zum Projekt ResearchBlogging.org was heute seinen Relaunch, nun auch mit deutschen Blogs erlebt. Initiiert wurde die deutsche Abteilung von Tobias von WeiterGen.

Doch um was geht es eigentlich bei ResearchBlogging?
Wer sich nur mal die Wissenschafts-Artikel von SpOn durchliest (meiner Meinung nach sind die genauso schlecht wie die Netzwelt..) wird oft danach wenig mehr wissen als vorher und/oder will genauere Informationen zu den angeschnittenen Themen haben. Doch Zugriff auf alle wissenschaftlichen Publikationen haben nur die wenigsten um so direkt aus erster Hand alle Paper zu lesen, von der fehlenden Zeit mal ganz abgesehen.

Und genau da setzt ResearchBlogging an: Blogs die über, in Peer-Review veröffentlichte, Paper berichten können sich hier registrieren und werden so aggregiert. Damit entsteht ein zentraler Platz für Artikel über wissenschaftliche Publikationen mit einer unglaublichen Themenvielfalt. Und das bietet für Autoren und Leser einen großen Vorteil. Die Artikel können so viel einfacher von den Lesern gefunden werden und der Leser hat eine zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Blog-Posts.

Eine super Idee, die das finden von interessanten Artikeln um einiges leichter macht, bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Blogs mitmachen. Wir wollen das auf jedenfall, die nächsten Artikeln zu Papern sind schon in der Pipeline.

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ResearchbloggingBastian sagt:
Auch wenn Optoelektronik nicht gerade mein Fachgebiet ist interessiert mich das Thema als Hobby-Fotograf trotzdem: Einem Team aus Forschern der University of Illinois und der Northwestern University ist es gelungen einen sphärischen Kamerasensor zu bauen der damit dem Aufbau des Auges ein Stück näher ist. Das entsprechende Paper erschien letzte Woche in der Nature (hier auch als PDF, beides leider nur für zahlende Abonnenten).

Die Sensoren von Digitalkameras waren bislang stets flach, wie es schon früher bei analogen Kameras die Filmebene war. Doch genau dieser Aufbau von Kameras hat so seine Tücken: Die gewölbten Linsen der Objektive verzeichnen gerade zu den Rändern und um dies zu korrigieren müssen mehrere Linsensysteme in Reihe eingesetzt werden.
Doch dies macht Objektive nicht nur schwerer als sie sein müssten, es vermindert auch den Lichteinfall durch das komplexe Linsensystem.

Anders sieht es da bei der Funktionsweise unseres Auges aus, was nicht viel anders funktioniert als eine Kamera mit einem Objektiv mit Festbrennweite:
Das Licht fällt durch die Linse des Auges und trifft dann im Auge auf die gewölbte Netzhaut wo Fotorezeptoren, die sogenannten Stäbchen & Zapfen (Dabei sind die Zapfen für das Farbsehen zuständig, die empfindlicheren Stäbchen für das Schwarz-Weiss bzw. Kontrastsehen).
Zum Fokussieren wird im Kameraobjektiv der Abstand der Linsen variiert, im Auge geschieht dies durch die, durch Muskeln veränderbare, Wölbung der Linse. Durch die Wölbung der Netzhaut werden Korrekturen wie bei Kameraobjektiven nicht benötigt.

Diesen Umstand haben die Forscher nun auch für ihren gewölbten Sensor nutzen wollen, das Problem dabei sind jedoch die verwendeten Materialien: Die normalerweise benutzen Silizium-Wafer können der Spannung wie sie in einem gewölbten System entstehen nicht standhalten und würden einfach brechen.

Doch genau dieses Problem umgehen sie in ihrer veröffentlichten Methode sehr elegant: Anstatt die einzelnen Photodetektoren (die im Endeffekt die Pixel produzieren) auf einem Wafer anzuordnen haben sie diese getrennt und kleine, einzelne Detektoren gebaut die über flexible Metall-Verbindungen miteinander verschaltet sind.

Um dieses ebene Konstrukt nun in die Sphäre zu bringen bedient man sich eines elastischen Polymers der die gewünschte sphärische Form hat, sich jedoch auseinanderziehen lässt bis er plan ist.
Auf diesen ebenen Polymer wird dann das Sensor-Array aufgebracht und der Zug auf den Polymer entfernt, so das dieser sich wieder in seine ursprüngliche Form zurückzieht.

Dieses Negativ wird nun auf der gewünschten Positivsphäre festgeklebt, das Polymer gelöst und schon befindet sich der Sensor in der passenden Form. Anschaulich dargestellt ist dieser Vorgang auch in der Grafik* unten.

Auf diese Weise haben die Forscher einen 16×16 Pixel großen, sphärischen Sensor gebaut der in seiner Form dem Auge sehr ähnlich ist. Und auch Fotos lassen sich damit schon machen, denn die Forscher haben eine einfache Linse (f=35 mm für die Fotografen hier) vor den Sensor gelegt und Testfotos gemacht.

Sicherlich, bei 16×16 Pixeln darf man keine Wunder erwarten (Windows-Icons haben bereits 32×32 Pixel) aber auch hier gibt es einen Trick um die Auflösung zu verbessern den sich die Wissenschaftler von der Funktion des Auges abgeschaut haben: Sie „scannen“ das Bild in dem sie den Betrachtungswinkel um einige Grad in jede Richtung verändern, genauso verbessern auch unsere Augen die eigentlich recht geringe Auflösung. Aus den Differenzen lässt sich dann ein hochgerechnetes Bild erzeugen.

Eine sehr spannende Entwicklung, auch wenn es zur Marktreife sicherlich noch ein gewaltiges Stück Arbeit ist. Doch gerade für die immer kleiner werdenden Point&Shoot-Kameras sehe ich hier eigentlich gute Anwendungsmöglichkeiten. Das soll es dann von mir auch dazu gewesen sein, von Laien für Laien. Falls es noch Fragen/Anmerkungen/Verbesserungen gibt freuen wir uns hier natürlich auch immer über Kommentare.

* Die Grafik wurde von Heung Cho Ko et al. erstellt und erschien zusammen mit ihrem Paper ‚A hemispherical electronic eye camera based on compressible silicon optoelectronics‘ am 07.08.08 in ‚Nature‘
Heung Cho Ko, Mark P. Stoykovich, Jizhou Song, Viktor Malyarchuk, Won Mook Choi, Chang-Jae Yu, Joseph B. Geddes III, Jianliang Xiao, Shuodao Wang, Yonggang Huang, John A. Rogers (2008). A hemispherical electronic eye camera based on compressible silicon optoelectronics Nature, 454 (7205), 748-753 DOI: 10.1038/nature07113

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